
In Memoriam Prof. Dr. Erich Müller
08.05.1927 – 29.01.2026
Am 29. Januar 2026 verstarb in Nikolassee Prof. Dr. Erich Müller im Alter von 98 Jahren. Er war Ehrenmitglied des Bundesvorstands der LWW sowie ein engagierter Historiker und Archivar der galiziendeutschen Geschichte.
Akademischer und beruflicher Werdegang
Erich Müller wurde am 8. Mai 1927 als Sohn von Sepp Müller und Gisela Mang in Lemberg (Lviv, heute Ukraine) geboren. Dort besuchte er von 1933 bis 1939 die private evangelische Volksschule mit deutscher Unterrichtssprache. Nach dem Besuch der 1. Klasse des Deutschen Evangelischen Privatgymnasiums erfolgte 1940 die Umsiedlung nach Krakau. Dort besuchte er die Deutsche Oberschule für Jungen, wo er den Reifevermerk erhielt. Es folgten die Einberufung zur Wehrmacht und der Fronteinsatz im Osten.
Nach dem Krieg legte Erich Müller sein Abitur in Göttingen ab und studierte anschließend Physik und Mathematik an der dortigen Universität. Nach seinem Abschluss im Jahr 1952 wurde er bereits 1953 mit „summa cum laude“ zum Dr. rer. nat. promoviert. Bis 1955 war er als wissenschaftlicher Assistent in Göttingen tätig, bevor er die folgenden 16 Jahre als technischer Direktor in der Industrie arbeitete.
1971 folgte die Berufung zum Professor an die Freie Universität Berlin und die Technische Fachhochschule Berlin in den Fachgebieten Instrumentelle Geophysik und Umweltverfahrenstechnik. Von 1978 bis 1990 hatte er das Amt des Dekans im Fachbereich Verfahrens- und Umwelttechnik inne. In diese Zeit fiel auch seine Teilnahme an einer Meeresexpedition mit dem Forschungsschiff „Meteor“.
Einsatz für die galiziendeutsche Geschichte
Mit Erreichen des Ruhestandes und dem Wegfall des Eisernen Vorhangs widmete sich Prof. Müller intensiv der Geschichte seiner Vorfahren. Er sammelte und wertete unter großem Aufwand zahlreiche Quellen aus, darunter Kirchenakten aus den Archiven in Lemberg und Przemyśl. Sein Motto lautete:
„Es darf in Zukunft keine Geschichte einer evangelischen galizischen Gemeinde mehr geschrieben werden, ohne vorher diese Akten studiert zu haben.“
In seinen Publikationen und Vorträgen befasste er sich mit der Geschichte der 1939/1940 umgesiedelten galiziendeutschen Volksgruppe sowie den komplexen Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Deutschen, Polen und Ukrainern.
Ehrenamtliches Engagement und Würdigung
Im Jahr 2000 erhielt Herr Prof. Müller für seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Geschichte der galziendeutschen Volksgruppe den Kulturpreis der Landsmannschaft Weichsel-Warthe.Bis 2011 war Prof. Müller als Kulturreferent des Hilfskomitees der Galiziendeutschen tätig. Er wirkte zudem als Mitredakteur des „Zeitweisers der Galiziendeutschen“ sowie als Mitglied der Historikerkommission für die Geschichte der Deutschen in Polen und der Redaktion des Jahrbuchs Weichsel-Warthe.
Seit dem Jahr 2012 war Herr Prof. Müller Ehrenmitglied des Bundesvorstands der LWW. Herr Prof. Müller wird dem Vorstand bei der Bewältigung der Beurteilung historischer Zusammenhänge fehlen. Er wird eingedenk des schmerzhaften Verlustes immer in unserer Erinnerung lebendig bleiben.
Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die von ihm begonnene Auswertung der Akten in seinem Sinne fortzuführen und sein wertvolles wissenschaftliches Erbe für künftige Generationen zu bewahren. Viele Erkenntnisse und Initiativen sind seiner immensen Arbeitsleistung zu verdanken.
Erich Müller war mit Martha Müller (geb. Münch, gest. 2013) verheiratet und hat eine Tochter.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, Angehörigen und Freunden.
Bundesvorstand
der Landsmannschaft Weichsel Warthe